Die Geschichte des Holz-Fertighauses

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FingerHaus ist ein Unternehmen mit langer Tradition. (Foto: FingerHaus)
FingerHaus ist ein Unternehmen mit langer Tradition. (Foto: FingerHaus)

Wer heute über einen Hausbau nachdenkt, wird sich auch mit einem Fertighaus auseinandersetzen. Die individuelle Planung, die kurze und komfortable Bauphase sowie allen voran die Zukunftssicherheit und der hohe Qualitätsstandard moderner Holz-Fertighäuser haben diese zur ersten Wahl von immer mehr Bauherren gemacht. Einen Anteil daran hat auch der Bundesverband Deutscher Fertigbau (BDF), der in diesem Jahr seinen 60. Geburtstag feiert.

Schon immer haben Menschen den Werkstoff Holz benutzt, um daraus etwas zu bauen. Erste Überlieferungen über den Einsatz handwerklich vorgefertigter Holzhäuser stammen aus dem Japan des 12. Jahrhunderts. Hier wurde eine zerlegbare und auf zwei Handkarren transportierbare Holzhütte beschrieben. Ebenfalls früh dran war Leonardo da Vinci, der um 1494 mit der „Casa Mutabile“ das erste Haus entwarf, das aus vorgefertigten Bauteilen zusammengesetzt wurde. Salonfähig wurde der Fertigbaugedanke im 19. und 20. Jahrhundert: Gustav Lilienthal, BAUHAUS-Gründer Walter Gropius und Konrad Wachsmann zählten in dieser Zeit zu den Pionieren vorgefertigter Häuser. Ihre Ideen gelten bis heute als Grundprinzipien des modernen Holz-Fertigbaus.

Deutsches Wirtschaftswunder und Typenhäuser

Den Beginn der deutschen Fertighausindustrie, also die Revolution ehemaliger Zimmereien hin zu industriell fertigenden Hausbauunternehmen, datiert der BDF auf die 1950er und 1960er Jahre. Das deutsche Wirtschaftswunder schaffte in dieser Zeit Wachstum, das auch den Fertigbau antrieb. Immer mehr Häuslebauer erfüllten sich den Traum vom eigenen Heim – auch dank der damaligen Typenhäuser, mit denen ganze Wohnsiedlungen rings um die Städte neu besiedelt wurden. Die ersten Musterhäuser und auch schon Musterhausausstellungen weckten großes Interesse, denn sie zeigten innovative Wohn- und Einrichtungslösungen auf. Die erste große Ausstellung in Quickborn bei Hamburg zählte bis 1965 schon 250.000 Besucher.

Im Jahr 1961 gründete sich der „Bundesverband Montagebau und Fertighäuser“, der 1988 in den heutigen „Bundesverband Deutscher Fertigbau“ umbenannt wurde. Immer schon verpflichteten sich die Mitgliedsunternehmen des Bundesverbandes zur Einhaltung von Qualitätsstandards, mit denen sie sich früh von Mitbewerbern des Hausbaus abgrenzten und die deutlich weiter gedacht waren als der handwerkliche Holzbau in Zimmereibetrieben. Der moderne Fertigbau entwickelte sich zu einer eigenen Branche neben dem konventionellen Nassbau.

Aus Typenhäusern werden Häuser für Typen

Bereits im Zuge der Energiekrise in den 1970er Jahren stellten die Fertighaushersteller auch die energetische Zukunftsfähigkeit ihrer Produkte unter Beweis. Dank technisch ausgeklügelter Holzwände wiesen die damaligen Häuser bereits einen geringen Heizwärmeverlust auf. Das ist bis heute so und wird stetig optimiert, sodass Fertighäuser die Pioniere des klimafreundlichen Hausbaus sind. Generell stellt die Nachhaltigkeit eine entscheidende Kernkompetenz der Branche dar: Ging es in den Anfangsjahren des Fertigbaus oftmals noch darum, viele typisierte Wohneinheiten in kurzer Zeit zu bauen, so liegt der Fokus heute auf der Realisierung von individuellen und zukunftsfähigen Gebäuden. Maßgeblich geprägt wurde dieser Fortschritt durch die Qualitätsgemeinschaft Deutscher Fertigbau (QDF), deren Satzung für alle BDF-Mitglieder verpflichtend ist. Seit Gründung der QDF im Jahr 1989 wurde die Satzung fortlaufend an den Stand der Technik angepasst. „Die QDF ist eine der größten Errungenschaften unseres Verbandes. Anhand streng definierter Qualitätskriterien bietet sie sicherheits- und komfortorientierten Bauherren den höchsten Standard für ihren Hausbau“, sagt BDF-Präsident Hans Volker Noller.

Fertighäuser erreichen die Mitte der Gesellschaft

Folgerichtig stieg der Fertigbauanteil nach der Wiedervereinigung stetig an. War Anfang der 1990er Jahre nicht einmal jedes zehnte Ein- oder Zweifamilienhaus in Deutschland ein Fertighaus, so waren es im Jahr 2000 über 13 Prozent und 2010 über 15 Prozent. Heute liegt die Fertigbauquote bundesweit bei über 22 Prozent, in Baden-Württemberg, dem Holzbau-Musterland, sogar schon bei knapp 40 Prozent. Der Großteil der industriell vorgefertigten Häuser wird von den rund 50 Mitgliedsunternehmen des BDF errichtet. Weiter gehören dem führenden Branchenverband gut 100 Fördermitglieder aus dem Zulieferbereich an. Gemeinsam setzen sie sich für die ständige Optimierung von Prozessen und Produkten rund um die moderne Holz-Fertigbauweise ein.

Der Weg ins eigene Fertighaus beginnt meist im Musterhauspark

2005 eröffnete der BDF eine eigene Musterhausausstellung, die FertighausWelt Hannover. Bis heute folgten weitere FertighausWelten in Nürnberg, Köln, Wuppertal und Günzburg. Mehr als zwei Millionen Besucher zählte der Verband bereits an allen fünf Standorten zusammen. Aktuell laufen die Arbeiten an der sechsten Ausstellung in Kappel-Grafenhausen an der Autobahn A5 zwischen Freiburg und Offenburg. „Die FertighausWelten sind nicht nur wichtige Vertriebsstandorte für die BDF-Unternehmen, sondern auch eine aussagekräftige Leistungsschau der Individualität und Innovationskraft moderner Holz-Fertighäuser. Wer heute ein individuelles Fertighaus plant, hat sich vorher fast immer in Musterhäusern inspirieren lassen“, so Noller. Die FertighausWelten haben mittwochs bis sonntags von 11 bis 18 Uhr geöffnet.

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