Forschungsprojekt FertighausWelt Wuppertal: Neue Erkenntnisse für die Energiewende

Forschungsprojekt zeigt erste Erfolge

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Das Musterhaus NEO in Wuppertal ist Teil des Forschungsprojektes. (Foto: FingerHaus)
Das Musterhaus NEO in Wuppertal ist Teil des Forschungsprojektes. (Foto: FingerHaus)

Intelligente Quartierslösung reduziert Strombedarf aus dem öffentlichen Netz um mindestens 15 Prozent

Die Energiewende wird kommen. Politik, Wissenschaft und Industrie arbeiten seit einiger Zeit an ihrer Umsetzung. In der FertighausWelt Wuppertal des Bundesverbandes Deutscher Fertigbau (BDF) präsentieren einige der führenden deutschen Hersteller von Holz-Fertighäusern fortschrittliche Lösungen zum Erzeugen und Bereitstellen von regenerativer Solarenergie innerhalb eines intelligenten Quartiers. Ein begleitendes und vom Bundesbauministerium (BMUB) gefördertes Forschungsprojekt des BDF und des Fraunhofer-Institut für Bauphysik (IBP) bietet jetzt erste spannende Erkenntnisse.

Die FertighausWelt Wuppertal befindet sich im Stadtbezirk Oberbarmen kaum mehr als einen Steinwurf von den Autobahnen 1, 43 und 46 entfernt. 19 moderne und voll ausgestattete Musterhäuser stehen hier auf einer Fläche von rund 18.000 Quadratmetern. Im Jahr 2013 wurde die FertighausWelt als Musterhauspark und zugleich als „lebendes Forschungslabor“, ein sogenanntes „Living Lab“, eröffnet. Fast 200.000 Bauinteressierte und Familien haben seitdem die Ausstellung besucht, um den Traum vom Eigenheim anzugehen und sich ein Bild vom Energiekonzept der Zukunft zu machen. Denn alle Häuser in der FertighausWelt sind Effizienzhaus Plus-Gebäude nach Definition des Bundes, die im Laufe eines Jahres mehr Energie mit einer hauseigenen Photovoltaikanlage erzeugen, als sie selbst verbrauchen.

Außerdem sind alle Häuser miteinander zu einem intelligenten Quartier vernetzt. Sie speisen die überschüssige regenerativ gewonnene Energie in eine Ringleitung ein, von wo aus sie bedarfsorientiert an andere Häuser abgegeben wird. Nicht nutzbare Überschüsse müssen schließlich an das öffentliche Stromnetz abgegeben werden. Mitarbeiter des Fraunhofer IBP erstellen ein Monitoring der hauseigenen Energieerzeugung und der einzelnen Energieverbräuche sowie des externen Strombezugs aus dem öffentlichen Netz. Ein erstes Ergebnis aus der dezentralen gegenseitigen Stromversorgung ist, dass alle Häuser zusammen im Zeitraum von Mitte Februar 2016 bis Ende Mai 2017 dank der Ringleitung circa 30.000 Kilowattstunden oder 15 Prozent weniger Strom aus dem öffentlichen Netz beziehen mussten als dies ohne Quartiersstromnetz der Fall gewesen wäre. Dadurch wurde das öffentliche Netz entlastet und die in der Siedlung erzeugte Energie aus regenerativen Energiequellen zu 20 Prozent mehr selbst genutzt.

Berechnungen des Fraunhofer IBP zur Wirtschaftlichkeit einer derartigen dezentralen Stromversorgung zeigen, dass die Kosten für eine Quartierslösung kaum höher liegen als für vergleichbare Effizienzhaus Plus-Gebäude ohne Anschluss an eine Ringleitung. Der BDF sieht den Gesetzgeber in der Pflicht, bei den wirtschaftlichen Rahmenbedingungen noch nachzubessern. BDF-Geschäftsführer Georg Lange: „Die Bundesregierung setzt ihre Hoffnungen bei der Energiewende zurecht auch auf Quartierslösungen. Das setzt allerdings voraus, dass durch das Erneuerbare Energien Gesetz (EEG) sowie das zukünftige Gebäudeenergiegesetz (GEG) Rahmbedingungen geschaffen werden, welche Quartierskonzepte angemessen berücksichtigen. Bisher ergeben sich durch die zweifellos sinnvolle Verlegung eines Quartiersstromnetzes, wodurch das öffentliche Stromnetz entlastet wird, Nachteile bei der Einspeisevergütung und beim Eigenverbrauch – Stichwort EEG-Umlage. Erzeugungsanlagen innerhalb eines Quartiersnetzes sollten zukünftig nicht als Gesamtanlage, sondern als einzelne Erzeugeranlagen betrachtet werden. Dadurch würden sich neue Betreiber- und Geschäftsmodelle ergeben, welche den Ausbau von Quartierslösungen beschleunigen würden.“ Mit derartigen Maßnahmen könne man der Industrie und dem Endverbraucher ein weiteres wichtiges Signal dafür geben, dass in sich vernetzte Wohnsiedlungen tatsächlich wichtiger Bestandteil der Energiewende sein sollen.

In der FertighausWelt Wuppertal steht in Kürze der nächste Meilenstein des laufenden Forschungsvorhabens an: Es wird ein elektrischer Energiespeicher in Betrieb genommen, der die Energieüberschüsse der Ringleitung aufnimmt und bei Bedarf zurückgibt. Die Experten des BDF und des Fraunhofer IBP sind sich sicher, dass dadurch noch weniger Energie aus dem öffentlichen Netz bezogen werden muss. „Wir möchten so viele Erkenntnisse wie nur möglich aus unserem lebenden Labor ableiten, um unsere Vorreiterrolle in den Bereichen Energieeffizienz und nachhaltiges Bauen weiter zu bestätigen. Zum Beispiel auch im Bereich der Hausautomatisierung bietet die FertighausWelt Wuppertal fruchtbaren Boden für Forschungsvorhaben“, schließt Lange. BDF/FT

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